Anwenderstory
Proxim

Krankenhaus Berchtesgaden
Unabhängig und
leistungsfähig Anästhesiedaten mit dem Notebook erfassen
Im Kreiskrankenhaus Berchtesgaden, hat man beschlossen, der Anästhesie
durch Computer und Netzwerk unter die Arme zu greifen. Das beste daran:
aufwendige und riskante Verkabelung fällt flach, Funkverbindung heißt das
Zauberwort.
Medizin ist ein uraltes, menschliches Wissensgebiet, das älteste vermutlich,
das überhaupt auf der Erde existiert. In keinem anderen Bereich wurde so viel
geforscht und entdeckt, nirgends hat der Mensch größere Erkenntnisse gewonnen.
Heute stehen Spezialisten und Allgemeinärzte einem Berg von Wissen gegenüber,
der auf den ersten Blick schier unfaßbar scheint. Damit aber nicht genug. Zu
den medizinischen Erkenntnissen kommt im heutigen Krankenhausalltag der
Bereich Organisation und Kostenkontrolle dazu. Das Budget ist eng bemessen,
Ressourcen müssen optimal genutzt werden. Schon während einer Operation fällt
eine riesige Menge an Daten an, die mit bereits vorhandenen Informationen
verknüpft sein wollen. Das ist eigentlich nur mit modernster Technik zu
bewältigen, Computer helfen bei der Erfassung von Patientendaten und anderen
Parametern. Im OP-Bereich sieht die Situation noch etwas stiefmütterlich aus.
Computer finden sich hier meist nur in den unmittelbar benötigten Werkzeugen,
in Beatmungsmaschinen beispielsweise oder in Anästhesiegeräten. Anders im
Kreiskrankenhaus Berchtesgaden. Hier steht neben dem Anästhesisten ein
Notebook, eine drahtlose Netzwerkkarte verbindet den Arzt mit dem Server.
Anfallende Daten notiert man nicht erst auf Papier um sie später,
arbeitsaufwendig, erneut einzugeben ohne Zwischenschritt stehen die
Informationen sofort im Netz zur Verfügung.
Zumindest sobald die Lösung komplett läuft: im Moment herrscht Testbetrieb
vor, der Arzt dokumentiert auf Papier. Die Übergangslösung, nötig durch
Anpassungen an der Software Opando von SMS, soll aber in Kürze den Notebooks
weichen.
Altes Gemäuer, moderne Technik
Das Kreiskrankenhaus in Berchtesgaden hat Tradition. Schon seit 1903
stehen die Grundmauern des Gebäudes, viel Ähnlichkeit mit den alten
Schwarzweißaufnahmen hat das Krankenhaus aber nicht mehr. Der letzte Anbau
wurde 1996 fertiggestellt, bis auf einen relativ alten Flügel sind alle
Gebäudeteile frisch renoviert und Top in Schuß. Das gilt auch für
Operationssaal und Intensivbereich. Vor nicht einmal zehn Jahren wurde die
komplette Ausstattung erneuert. Verkabelung, Licht- und Klimasysteme und
natürlich die OP-Einrichtung wurden damals zukunftsweisend angeschafft.
Vermutlich haben die wenigsten Patienten ein Auge dafür, aber die Kombination
von High-Tech vor einer beeindruckenden Bergkulisse hat schon etwas
erhebendes. In dieser Umgebung arbeitet Dr. Gerd Hüppe, Chefarzt der Abteilung
für Anästhesie und Intensivmedizin. Als Anästhesist kennt er keine Scheu vor
modernen Technologien, für ihn gehört die Arbeit und der Einsatz von Computern
zum Alltag. Unter seiner Leitung implementiert das Kreiskrankenhaus
Berchtesgaden derzeit eine bundesweit einmalige Lösung: OP-Daten werden direkt
während des Eingriffs mit dem PC protokolliert und zum Server übermittelt.
Weil keine Netzwerkanschlüsse im OP verlegt sind, läuft der Kontakt mit dem
Netzwerk über eine Funkverbindung.
Viel Stahl in den Wänden
Die Idee, Anästhesiedaten während der Operation im PC zu erfassen, stand
schon seit längerer Zeit im Raum. Problematisch waren bislang nur die
technischen Voraussetzungen. Zunächst nahmen früher übliche Desktop PC samt
Monitor zu viel Platz weg. Zudem waren sie unflexibel und stellten mit ihren
staubwirbelnden Lüftern ein Gesundheitsrisiko dar. Das änderte sich, als
leistungsfähige Notebooks in erschwingliche Preisregionen fielen. Nun stand
dem ehrgeizigen Plan nur noch die fehlende Netzwerkverbindung im Weg. Bei der
Renovierung vor zehn Jahren hatte man natürlich nicht an Anschlußdosen für
Ethernet gedacht. Dr. Gerd Hüppe stand vor einem schwierigen Problem:
Nachträglich Kabel einzuziehen und Dosen anzubringen hätte enorme Kosten
verursacht: Der OP-Betrieb wäre in dieser Zeit stillgestanden, der gesamte
Raum hätte nach der Installation gereinigt, desinfiziert und erneut
sterilisiert werden müssen. Zudem wären die Verbindungskabel zwischen Wand und
PC ein unerwünschter Störfaktor gewesen, dieses Problem blieb auf jeden Fall
bestehen. Da traf es sich gut, daß Dr. Hüppe Ende 1996 auf einer Fachmesse
Jürgen Neumann vom Systemhaus MT-Kom (ehemals MULTICAP) über den Weg lief. Er
brachte den Facharzt auf die Idee, Notebooks per Funk mit dem Server zu
verbinden. Der Vorschlag klang plausibel für Dr. Hüppe: "Kosten und Aufwand
lagen weit unter denen einer Neuverkabelung", erinnert er sich. Know-How war
ebenfalls vorhanden, die Leute von MT-Kom (ehemals MULTICAP) hatten schon
öfter Netzwerke über drahtlose Verbindungen installiert und kannten sich auch
im Krankenhausumfeld aus. Das Hemminger Systemhaus setzt dabei auf die
RangeLAN Adapterserie von Proxim. Der amerikanische Hersteller bietet eine
ganze Palette von Netzwerkkarten und Zugangspunkten an sowohl für Notebooks,
als auch zum Einbau in Desktop PC. Nach einem Vor-Ort Termin stand fest: die
Umgebung ist kein Problem für die RangeLAN Adapter von Proxim. Vier
Zugangspunkte würden genügen, um die komplette Fläche abzudecken, trotz stark
abschirmender Stahlträger in den Wänden. Auch vom Sicherheitsstandpunkt gab es
nichts gegen die drahtlosen Netzwerkkarten einzuwenden. MT-Kom (ehemals
MULTICAP) garantiert die Unbedenklichkeit des verwendeten Frequenzbereichs und
der Sendeleistung. Eine Zulassung der deutschen Telekom besitzen die Adapter
ohnehin, sonst dürften sie in Deutschland gar nicht verkauft werden.
Umfassende Lösung
Endstation der erfaßten Daten ist das medizinische Informationssystem
Opando von SMS. Dieses Komplettpaket deckt sowohl administrative als auch
medizinische und logistische Funktionen ab um so effektiver, je aktueller und
vollständiger die Daten sind. Besonders interessant sind für Dr. Hüppe die
Funktionen zur Überwachung des Materialaufwands für eine Operation: "Unser
Ziel ist größtmögliche Transparenz der Arbeitsabläufe im OP- und
Anästhesiebereich. Nur so lassen sich Schwachpunkte erkennen und zum Wohl des
Patienten beheben". Daß damit auch ganz enorme Einsparungen möglich sind,
liegt auf der Hand. Der Materialeinkauf beispielsweise läßt sich erheblich
besser steuern, wenn exakte Zahlen über den Verbrauch vorliegen. Die
Auslastung der Operationssäle spielt ebenfalls eine beträchtliche Rolle in der
Kostenstatistik eines Krankenhauses. Die Klinik in Berchtesgaden macht da
keine Ausnahme. Fast das ganze Jahr über herrscht Hochbetrieb in der
Notaufnahme das Berchtesgadener Land ist als Urlaubs- und Freizeitgebiet Ziel
für sehr viele Ausflügler. Nur wenn die Operationssäle optimal genutzt werden,
wenn alle Verbrauchsmaterialien und Werkzeuge ständig zur Verfügung stehen,
läßt sich der Andrang mit minimalen Wartezeiten bewältigen. Das ist sowohl der
Verwaltung als auch den Ärzten bewußt. Die Krux ist: ohne eindeutige Zahlen
über die Belegungszeiten und über die Gründe warum der gleiche Eingriff bei
zwei Patienten unterschiedlich lange dauert läßt sich nichts optimieren. Und
genau diese Arbeitsabläufe will Dr. Hüppe transparent machen, deren Sinn oder
Unsinn analysieren und entsprechend verbessern. Opando beherrscht all diese
Anforderungen, ist aber auf möglichst akkurate Informationen angewiesen. Und
genau die liefern die sechs Dell Notebooks über das Netzwerk. Dr. Hüppe
berichtet über die Reaktion seiner Kollegen: "Hier und da ist ein wenig
Respekt vor der Technik zu bemerken, das Verfahren selbst wird akzeptiert.
Letztendlich wird sich aber erst im "richtigen" Betrieb zeigen was die direkte
Erfassung bringt." Papier und Notebook parallel einzusetzen ist nur für eine
möglichst kurze Übergangszeit geplant. Sobald Opando's Module an die
spezifische Krankenhausumgebung angepaßt sind, geht es los. Ein genauer Termin
steht noch nicht fest, irgendwann im zweiten Quartal 1998 soll es soweit sein.
Funkadapter schnell installiert
Während die Anpassung von Opando noch läuft, arbeiten die Proxim
Netzwerkkarten schon seit geraumer Zeit fehlerfrei. Von der Idee bis zur
funktionierenden Lösung verging beim Kreiskrankenhaus Berchtesgaden
erstaunlich wenig Zeit. Zu einem großen Teil lag das an der unproblematischen
Installation der Netzwerkarten und Zugangspunkte. Konfiguration ist im
allgemeinen nicht nötig, lediglich Strom- und Netzwerkanschluß müssen
vorhanden sein. Außerdem arbeiten die Zugangspunkte protokolltransparent. Das
heißt, auf den Notebooks und dem Server fallen keine Änderungen an. Das
gewählte Kommunikationsprotokoll, egal ob TCP/IP oder IPX, wird eins zu eins
von Netzwerkkarte zu Zugangspunkt weitergegeben. An größere Probleme während
der Implementation kann sich Dr. Hüppe nicht erinnern: "Nur ein Zugangspunkt
machte Schwierigkeiten und verlor sporadisch die Verbindung mit dem Notebook.
Proxim tauschte das Gerät aus, seitdem gab es überhaupt keine Schwierigkeiten
mehr." Obwohl sich die Erfahrungen mit der Notebook-Lösung bislang auf den
Probebetrieb beschränken, ist Dr. Hüppe hochzufrieden: "Die Arbeit mit
leistungsfähigen Notebooks ohne Netzwerkkabel verschafft uns maximale
Flexibilität. Ohne die Funklösung wäre das Projekt nicht möglich gewesen."
Wenn es nach ihm ginge, würde die Entwicklung auch nicht bei den Notebooks
aufhören. Neue Windows CE Rechner und andere PDA's könnten die Mobilität noch
erhöhen und den Einsatzbereich der Krankenhaussoftware erweitern. Probleme
sieht er bislang vor allem bei der Bedienbarkeit: "Display und Tastatur müssen
eine vernünftige Größe haben", erläutert er, "sonst macht die Arbeit damit
keinen Sinn." Im Moment wartet die gesamte Anästhesieabteilung gespannt auf
den tatsächlichen Startschuß für das Gespann Opando/Proxim. Bewährt sich das
System, steht dem Ausbau nichts mehr im Weg. Als erster Schritt würde die
Intensivstation mit mobilen Rechnern ausgerüstet werden, danach schrittweise
die Detailstufe erhöht, das heißt immer mehr Daten aufgenommen. Das
angestrebtes Ziel ist sehr hoch gesteckt: Nichts geringeres als die
elektronische Krankenakte ist geplant. Das bedeutet die vollständige Erfassung
aller patientenrelevanten Daten einschließlich aller Befunde. Dazu gehören
auch Informationen aus bildgebenden Verfahren wie Röntgenbilder und
Endoskopieaufnahmen. Bis dahin wird aber sicher noch einige Zeit vergehen, in
der sich die Patienten an das Notebook neben dem Anästhesisten gewöhnen
können.